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Ausstellung | Vor 60 Jahren wurde der Rabenauer Grund zum WM-Kanal für Kanuten

Was für ein unbeschreibliches Ereignis in dieser Zeit: Offene Geschäfte bis 23.00 Uhr, Eisstände an der Weißeritz und Tausende Zuschauer bei den Weltmeisterschaften im Kanu-Slalom und Wildwasserrennen. Vom 22. bis 26. Juli 1961 war der Rabenauer Grund Schauplatz dieser Titelkämpfe – und für Mitwirkende und Zuschauer ein bleibendes Erlebnis!

Veranstaltungshefte und Souvenirs dieser Zeit erinnern heute an dieses Großereignis. Die Straßenbahn fuhr noch bis Hainsberg; der Tante-Emma-Laden hatte - neben sonst nicht zu erhaltenen Knöpfen und nahtlosen Strümpfen – ein außergewöhnlich gut bestücktes Verkaufssortiment zu bieten und in der Drogerie Hainsberg war Haarlack erhältlich. Sonderangebote im „Russenmagazin“ auf der Mozarstraße verlockten zum Geld ausgeben. Der Dampf und der Duft der Verkaufsstände der Eismaschinen waren entlang der Rabenauer und Dresdner Straße zu riechen. Internationale Sportler aus zwölf Ländern (mit exotisch fremdländisch klingenden Namen) und die DDR-Athleten sind in getrennten Zeltlagern untergebracht  – die einen an der Walzenmühle an der Straße hoch nach Somsdorf, die anderen hinter der Spinnerei, heute Weißeritzpark, um Westkontakte zu vermeiden kurz vor dem Mauerbau. Hainsberg befand sich im Ausnahmezustand.

Drei Tage vor der WM ist die Delegation aus der BRD abgemeldet worden. Die Regierung hatte mit der Hallstein-Doktrin den unliebsamen Reisen ihrer Athleten in die DDR einen Riegel vorgeschoben.

Beinahe wäre die siebte Kanu-Slalom- und zweite Wildwasser-WM sogar woanders ausgetragen worden. Wasserwirtschaft und Heimatfreunde hatten Bedenken angemeldet. Man fürchtete zertrampeltes Buschwerk, unterspülte Ufer und eine leere Talsperre. Das endgültige Machtwort zur Durchführung spricht die Regierung der DDR, Amt für Wasserwirtschaft aus. Zahlreiche Maßnahmen für die massenpolitische Arbeit und Einbeziehung der Bevölkerung unter Mitwirkung der Nationen Front, der Gemeindeorgane- und vertretung, Ständigen Kommissionen für Kulturelle Massenarbeit, Volksbildung sowie Inneres, das Komitee Gesamtdeutsche Arbeit und ortsansässige Betriebe und Kombinate werden fixiert. Das Engagement der Bevölkerung, ob freiwillig oder verordnet, war enorm. Die Hainsberger und Gäste strichen mehr als 7500m Zaun und legten Parkplätze an. Hausfrauen halfen beim Verkauf.

Am Ende nahmen 190 Sportler aus 13 Ländern mit ihren Faltbooten an den Weltmeisterschaften teil.

Mit der Sonderausstellung in der Stadtbibliothek im Juli 2021 zum 60jährigen Jubiläum möchten wir uns allen dieses Ereignis wieder ins Gedächtnis rufen. Mit dem Ehepaar Gläser, selbst erfolgreiche Aktive der Kanu-WM 1961 konnten wir Zeitzeugen gewinnen, die uns in Vorbereitung dieser Ausstellung mit Rat und Tat stets zur Seite stehen und ihre Erfahrungen und Wissen einbringen, um so in Wort und Bild dieses Großereignis Revue passieren zu lassen. Als besonderer Hingucker ist es gelungen, ein Original- Faltkajak zu beschaffen, denn die Beschaffenheit der Boote, mit 60 cm Breite für keine Lustbarkeit geschaffen, dessen Metallsitz alles andere als bequem aussieht und auch ist, lässt einmal mehr den Mut bewundern und fast schon ein bisschen Tollkühnheit der Fahrer erahnen. Medaillen, Schwimmwesten, Starterlisten, Fotos, Presseberichte, Paddel, Helme und Filmausschnitte sollen gezeigt werden. Auch wenn der Kanusport in Deutschland eine Randsportart ist, die Deutschen sind aber bei großen Ereignissen immer sehr erfolgreich.

Gemeinsam mit Weltmeistern und Organisatoren von damals gingen man auf Spurensuche. Das Ehepaar Gläser tauchte in ganz persönliche Erinnerungen ein und nimmt die Besucher auf eine Zeitreise mit. Niemand kann sich der Faszination zum damaligen Geschehen entziehen, man spürt einen Hauch der Euphorie zum Vergangenen. Dr. Ursula Gläser, siebenfache Weltmeisterin, eröffnete am 1. Juli 2021 die Ausstellung und nahm die Besucher auf eine Abfahrt durch die Fluten der Roten Weißeritz mit. Ihr Mann Eberhard, fünffacher Weltmeister, ein Hoffnungsträger unter den Kanuten der damaligen DDR, welcher mit 25:53,8min die schnellste Zeit und damit zum Sieg fuhr, berichtete in einem Vortrag am 21. Juli 2021 vom unermüdlichen Fleiß der Einwohner Hainsberg, von scheinbar unüberwindbaren Schwierigkeiten bei der Vorbereitung, von Anordnungen der Regierung der DDR und ihren Abteilungen und der Entstehungsgeschichte zum Austragungsort der Kanu-WM berichten, auch wenn die Sportler sich damals mehr auf ihre Aufgabe konzentrierten.

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Stadtbibliothek im City-Center noch bis zum 15. August zu erleben.

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