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100 Jahre Freital aus philatelistischer Sicht

Ein Text von Dr. iur. Axel Eska über die noch junge Geschichte der Stadt Freital aus der Sicht eines Philtalelisten

Was? Erst 100 Jahre für eine Stadt die zu den Top Zehn der einwohnerstärksten Städte des Freistaats zählt? Ja, Freital wurde am 1.10.1921 aus den Ortschaften Deuben, Döhlen und Potschappel (Abb. 1) gegründet. Der Name der Stadt ist eine Kunstschöpfung. Heute sind weitere 12 Stadtteile dazugekommen, dabei solche mit interessanten Namen wie Burgk und Birkigt, letzterer kaum ein Quadratkilometer groß. Interessant und lang ist die Historie der Orte durchaus, bereits 1206 wurde zum Beispiel das heutige Zauckerode erstmals urkundlich erwähnt.

Steinkohle bestimmte das Geschick des Tales: Bereits im 16. Jahrhundert oberflächlich abgebaut, befeuerte sie im Wortsinn die Industrialisierung Sachsens Ende des 19. Jahrhunderts. "Das Tal der 1.000 Schornsteine" wurde das spätere Freital genannt und diese prangten im ersten offiziellen Stadtwappen von 1921. Sachsen war bis zum Zweiten Weltkrieg DAS Industrieland Deutschlands. Ein Dauerwerbestempel mit einem markanten Zahnrad und der Inschrift "Freital 1/Die Industriestadt" verkündet das 1924 auf einem Auslandsbrief mit schöner Firmenwerbung für Kameras selbstbewusst (Abb. 2). Man glaubt es heute kaum: Das Freitaler Revier war bis Ende des 19. Jahrhunderts technisch und organisatorisch an der Spitze des Steinkohleabbaus und nicht das Ruhrgebiet! So fuhr 1882 in Zauckerode die erste E-Lokomotive der Welt. Ein ingenieurtechnisches Meisterstück war auch die Windbergbahn, die 150 Meter Höhenunterschied überwandt und auch den Namen Sächsische Semmeringbahn trägt (Abb. 3).

Der Steinkohleabbau lief trotz erheblicher Einschnitte und Verwerfungen nach dem Krieg (Abb. 4) bis 1967, dann wurde uranhaltiger Schiefer abgebaut, bis 1990 auch damit Schluss war.

Die Belege des "VEB Edelstahlwerk 8. Mai 1945" aus den 1980er Jahren (Abb. 5, 6) zeigen die Bedeutung des Stahlwerks für die Stadt sowie die Privatganzsache mit dem Zudruck "30 Jahre Elektrostahl/10 Jahre BAG Philatelie" (Abb. 7) den Umstand, dass damals eine Betriebsarbeitsgemeinschaft einem offensichtlich weit verbreiteten Hobby frönte.

Die mit dem Bergbau und dann mit dem Stahlwerk verbundenen Umweltbelastungen, unter anderem durch die oben genannten 1.000 Schornsteine, kann man sich heute nicht mehr vorstellen. In Freital gab es wohl nur eine Fassadenfarbe: Grau. Nach einhundert Jahren Stadtgeschichte steht eines fest: So schön wie heute war Freital noch nie!

Das Wahrzeichen Freitals, das König-Albert-Denkmal auf dem Windberg, ist immer noch rußgeschwärzt. Wussten Sie, dass es wegen eines Hochwassers errichtet wurde? 1897 erreichte die das Tal durchfließende Weißeritz das 140-fache des Normalpegels und zerstörte viele Häuser und einhundert Familien wurden obdachlos. Eine Lithografiekarte "Hochwasserflut im Plauenschen Grunde", ausgeliefert in "Dresden" am 11.8.1897 zeigt das Ereignis eindrücklich (Abb. 8). Das durch das Hochwasser angerichtete Chaos war so groß und die Industrieproduktion für Sachsen so unverzichtbar, dass der König das Militär zur Hochwasserhilfe beordete. Wir kennen das ja auch aus modernen Zeiten, wie 1997 zum Oder-Hochwasser. 1904 dankten die Freitaler ihrem König mit der Einweihung des vorgenannten Denkmals (Abb. 9).

Aber der Leser irrt, wenn er nun annimmt, dass die Freitaler besonders königstreu bzw. konservativ waren. Vielmehr galt Freital nach seiner Gründung als soziale Modellstadt, genannt das "Rote Wien in Sachsen." Es wurde vom einzigen sozialdemokratischen Oberbürgermeister in ganz Sachsen regiert. Man baute wie in Wien viele Sozialwohnungen. Das heutige Ärztehaus am Neumarkt ist ein in den 1920er Jahren im Bauhausstil errichtetes Gebäude, was aufgrund seiner Schlichtheit nur Eingeweihten auffällt. Viele Sozialleistungen wie Schwimmbäder und Bibliotheken waren kostenfrei. Die Idee war gut und dann die Kassen leer, was im Zuge der Weltwirtschaftskrise ab 1929 verheerend war und letztlich dem damals geplanten Zusammenschluss mit Dresden entgegenstand. Ja, das stand 1930 tatsächlich auf dem Wunschzettel der Freitaler; woran man sich heute wohl nicht mehr so erinnern mag.

Auf dem Wunschzettel stand in den vielen einfachen Bergmann- und Arbeiterhaushalten Freitals auch ein Stück gute Seife: Für "Rumbo - Seife weltbekannt" wirkt ein attraktiver Firmenbeleg mit 12 Pf-Absenderfreistempel aus dem Jahr 1939 (Abb. 10).

Ein Großereignis in Freital, das auch philatelistisch in den Markenausgaben (DDR Michel 838-840) seinen Niederschlag fand, war die Weltmeisterschaft im Wildwasserrennen und Kanuslalom, die 1961 in Hainsberg stattfand. Dazu wurde extra das Wasser der nahen Talsperre Malter regulierend gestaut, um dann in der Roten Weißeritz einen ausreichenden Wasserstand zu garantieren. 30.000 Menschen sollen die Wettkämpfe verfolgt haben. Die grafisch gut gelungenen Marken des Grafikers Volkamer verdeutlichen Kraft und Geschicklichkeit der Wassersportler (Abb. 11) besser als z. B. die Markenausgabe der BRD zu den olympischen Spielen 1960 (Bund Michel 332 - 335).

In Freital vergessen hat man nach 1990 die Städtepartnerschaften mit ausländischen Städten. So wird die Partnerschaft mit Marienbad, Tschechische Republik nicht mehr gepflegt. Und wer meint, dieses weltberühmte Kurbad hätte wohl auch nicht so ganz zu der Stadt mit den ehemals vielen Schornsteinen gepasst, wird erstaunt sein, welche Stadt neben Oberhausen (Die passt nun wirklich) noch Partnerstadt ist: Baden - Baden.

Ja, Freital ist immer für eine Überraschung gut. Es bietet Lebensqualität durch den erlebbaren Flusslauf der Weißeritz, die schönen Wandermöglichkeiten durch die Tallage, durch den nahen Tharandter Wald und den Weinanbau in Pesterwitz. Der Autor zog 2019 von Dresden nach Potschappel. Mit so einem originellen Ortsteilnamen kann nicht jeder aufwarten (Abb. 12). Er war angenehm überrascht vom angenehmen Leben im "Freien Tal". Wo kann man schon anderswo innerstädtisch einen Eisvogel (Abb. 13) beobachten?

 

  1. Datum: 16.01.2021 Abbildung 1

    Sachsen Ganzsache U1 mit entspr. Ortsstempel und Nr. St. 78

  2. Datum: 16.01.2021 Abbildung 2
  3. Datum: 16.01.2021 Abbildung 3
  4. Datum: 16.01.2021 Abbildung 4

    Zehnfachfrankatur infolge Währungsturbulenzen 1948 auf markengleicher Ganzsache vom 25.6.1948

  5. Datum: 16.01.2021 Abbildung 5

    ZKD Michel 22 Pfennig AFS auf Wirtschaftsdrucksache

  6. Datum: 16.01.2021 Abbildung 6

    ZKD Michel 15 Pfennig AFS auf Wirtschaftsdrucksache

  7. Datum: 16.01.2021 Abbildung 7
  8. Datum: 16.01.2021 Abbildung 8
  9. Datum: 16.01.2021 Abbildung 9

    85 Cent - Motivmarke von PostModern aus 2017

  10. Datum: 16.01.2021 Abbildung 10
  11. Datum: 16.01.2021 Abbildung 11

    DDR Michel 839, 840 mit SSt "Hainsberg"

  12. Datum: 16.01.2021 Abbildung 12

    Datumsspielerei zum 12.12.12

  13. Datum: 16.01.2021 Abbildung 13

    DDR Mi 1276


Dr. jur. Axel Eska

IPV 1877 Dresden e. V.

Quellen: www.wikipedia, MICHEL Katalog

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