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Erfindungen & Besonderheiten

Innovationen entstanden und entstehen immer im Austausch von Ideen, Menschen und Dingen. So auch in Freital: Etliche der Erfinder und der innovationsfreudigen Unternehmer waren keine gebürtigen Freitaler, fanden hier aber die passenden Umstände für den Erfolg. Einige Erfindungen und Besonderheiten der Stadt Freital werden hier kurz vorgestellt.

Älteste Kirche auf Freitaler Flur

Die älteste Kirche auf Freitaler Flur ist die Georgenkirche in Somsdorf.  Ein noch erhaltener Grundstein zeugt von der Errichtung der Kirche, etwas erhöht in der Mitte des Dorfes, im Jahr 1238. Dem Namen nach wurde die Kirche vermutlich dem heiligen Georg, dem Schutzpatron der deutschen Ritter, geweiht. Zwei Fensternischen an der Nordwand sind von der ursprünglichen Kirche mit romanischen Stilelementen erhalten.

Das schöne Gotteshaus erhielt seine heutige Gestalt mit dem Umbau im Jahr 1711 in eine barocke Saalkirche. Das Gebäude wurde nach Süden erweitert, mit dem weithin sichtbaren schiefergedeckten Dachreiter und barocker Außenfassade versehen. Im Inneren erinnert die doppelgeschossige Emporenarchitektur mit Kassettendecke und Patronatslogen mit marmorisierten Kartuschenfeldern an frühere Theaterbauten.

Den Barockaltar des bekannten Dresdner Bildhauers Benjamin Thomae erhielt die Kirche im Jahr 1724. Das reiche Altarprospekt mit seinen Säulen, Simsen, Kapitellen, Putten und Gloriole wird zu beiden Seiten flankiert von den in Weiß und Gold gefassten allegorischen Figuren für Liebe und Glaube. Beachtenswert sind die kelchförmige, buntbemalte Sandsteintaufe, die feingliedrige Kanzel, die Reste einer "Anna-Selbdritt" in der Sakristei und die 1828 von Karl Gottlieb Jehmlich gebaute Orgel. Die Orgel stellt das älteste erhaltene Werk der Orgelbauanstalt Jehmlich dar.

Die Georgenkirche wird in ursprünglicher Weise vom Friedhof umgeben.

Das Besucherbergwerk „Tagesstrecke Oberes Revier Burgk“ der Städtischen Sammlungen Freital

Die montantechnischen Ausstellungen der Städtischen Sammlungen Freital, in die das Besucherbergwerk „Tagesstrecke Oberes Revier Burgk“ eingebettet ist, ergänzen einander thematisch. So vermitteln die Inhalte der Dauerausstellung im Schloss und das Besucherbergwerk Wissen zum frühindustriellen Steinkohlenbergbau. Die Bergbauschauanlage und der Technikgarten dokumentieren die zeitweise parallele Gewinnung energetisch nutzbarer Steinkohle und rüstungstechnisch verwertbarer Uranerzkohle. Gemeinsam mit der Geologieausstellung „Faszination Steinkohle“ können so an einem Ort alle Facetten des über fünf Jahrhunderte währenden Bergbaues auf der Lagerstätte „Döhlener Becken“ museal präsentiert werden.

Die „Tagesstrecke Oberes Revier Burgk“, ein 1821 angelegter Bergwerkszugang für Bergleute der Freiherrlich von Burgker Steinkohlenwerke, präsentiert dem Museumsgast am authentischen Ort geologische Fakten über die Lagerstättenbildung, Wissenswertes zum seinerzeit schwersten sächsischen Grubenunglück von 1869 und Anschauliches zum harten bergmännischen Berufsalltag.

Seit über 20 Jahren lernen Besucher ausschließlich im Rahmen zielgruppenorientierter, sachkundiger Führungen unter Tage, ausgerüstet mit Helm und Schutzkleidung, im Steinkohlenbergbau typische Ausbauarten, Bewetterungstechnik, Gewinnungs- und Fördertechnologien kennen und können nebenbei ihre bergmännische Tauglichkeit beim Schlägeln testen. Zu den jährlich über 1.000 Gästen aus dem In- und Ausland zählen Urlauber, Wandergruppen und einheimische Individualbesucher. Insbesondere durch seinen, in Sachsen einmaligen, untertägigen Steinkohlenflöz-Aufschluss lockt das Besucherbergwerk im Rahmen von Lehre und Forschung Studenten sowie Tagungsgäste geowissenschaftlicher Fachrichtungen der TU Bergakademie Freiberg und Schüler im Sachkunde- bzw. Geografie-Unterricht nach Freital.

Dienstälteste öffentlich betriebene Schmalspurbahn Deutschlands

Die Weißeritztalbahn ist die zweitälteste sächsische Schmalspurbahn und die dienstälteste öffentlich betriebene Schmalspurbahn Deutschlands. Die für Arbeiterverkehr und Rohstoff- bzw. Stückguttransport der zahlreichen osterzgebirgischen Unternehmen bedeutsame Strecke führt seit 1882 vom heutigen  Freital-Hainsberg bei Dresden durch das Tal der Roten Weißeritz bis Dippoldiswalde und seit 1883 bis Kipsdorf im Osterzgebirge. Sie wurde beim Hochwasser im August 2002 so schwer beschädigt, dass sie komplett außer Betrieb ging. Nach einem langen, durch viele Verzögerungen geprägten Wiederaufbau wurde die Strecke von Freital-Hainsberg bis Dippoldiswalde 2008, die Strecke von dort bis Kurort Kipsdorf am 17. Juni 2017, fast 15 Jahre nach deren Verwüstung durch das Hochwasser, wieder in Betrieb genommen.

Am 16. Juli 1881 begann unweit der Rabenauer Mühle der Bau der, heute unter dem Namen Weißeritztalbahn bekannten Schmalspurbahn ins Osterzgebirge. Zunächst am 1. November 1882 bis Schmiedeberg eröffnet, ging ein knappes Jahr später am 3. September 1883 die Gesamtstrecke bis Kipsdorf in Betrieb. Als von 1908 bis 1913 die Talsperre Malter entstand, mußte die Bahn von Spechtritz bis Dippoldiswalde auf eine neue, höher gelegene Trasse umverlegt werden. Zur Verbindung mit dem normalspurigen Bahnhof Potschappel, von wo die Schmalspurbahnzüge nach Wilsdruff starteten, ließ man 1913 ein größtenteils dreischieniges Verbindungsgleis errichten, welches noch bis 2002 zur Anbindung der dortigen Wagenwerkstatt genutzt wurde. Damit erhielt die Kipsdorf - Hainsberger Strecke innerhalb des weitverzweigten ostsächsichen Schmalspurnetzes, Einbindung in den, an Bedeutung stetig zunehmenden späteren Verkehrsknotenpunkt Freital. 

Der „Freitaler Engel“ – Grundlage hochreiner Metallwerkstoffe aus Freital

Befördert durch das Vorhandensein des fossilen Energieträgers Steinkohle und durch die hervorragende infrastrukturelle Anbindung durch die normalspurige Albertsbahn seit 1855, bildete sich im heutigen Freitaler Stadtteil Döhlen frühzeitig ein innovativer Stahlstandort heraus. Nach hervorragenden technischen und wirtschaftlichen Weiterentwicklungen im 19. Jahrhundert, wurde der Stahlstandort vor allem während des Zweiten Weltkrieges als Rüstungsstandort für die sächsische Industrie bekannt. Infolgedessen von umfassender Demontage und Reparationsleistung in der Nachkriegszeit betroffen, konnte dieses Unternehmen der Schwerindustrie, anfangs noch mit einem Siemens-Martin-Ofen unter freiem Himmel produzierend, die Stahlerzeugung erst ab 1949 langsam wieder hochfahren. Die Produktion hochwertiger Stahlmarken begann ab 1951 mit einem ersten Fünf-Tonnen-Elektro-Ofen. Schmiedehämmer, Walzstraßen, Glüherei und Stahlvergütung vervollständigten die Fabrikationsanlagen.

Unter dem Namen „VEB Edelstahlwerk 8.Mai 1945“ kamen später modernste Technologien wie Vakuum-Stahlerzeugung, Elektroschlacke-Umschmelzverfahren oder Pfannenmetallurgie zum Einsatz. Die Produktion hochreiner Eisen- und Nichteisenmetalle unter Vakuum mit dem weltersten 200 Kilowatt – Elektronenstrahl – Mehrkammer-Ofen setzte 1963 ein und galt als herausragende ingenieurtechnische Meisterleistung des Freitaler Unternehmens. Die Innovationen dieses Umschmelzverfahrens gehen auf das, 1959 im Institut des Dresdner Wissenschaftlers Manfred von Ardenne entwickelte Elektronenstrahlschmelzen zurück. Die dabei zur Anwendung gelangenden Elektronenstrahl-Kanonen bezeichnete man, ihrem ersten Einsatzort und ihrer Form entsprechend, auch als „Freitaler Engel“. Mit der Einführung des weltersten 30-Tonnen-Plasma-Ofens schrieb das Freitaler Unternehmen nochmals internationale Industriegeschichte. Die Produktpalette des Freitaler Edelstahlwerkes erlangte einen hervorragenden Ruf und fand Abnehmer in 17 Staaten auf drei Kontinenten. Dem seinerzeit größten Arbeitgeber der Freitaler Region, kam bis 1989 auch auf sozialpolitischem Gebiet als festem Bestandteil der örtlichen Kommunalpolitik, umfassende Bedeutung zu. Die Tradition des Standortes führt heute erfolgreich unter Einhaltung strengster Umweltkriterien die BGH Edelstahl Freital GmbH mit modernsten Technologien in die Zukunft.

Hänichner Kohlenzweigbahn, erste deutsche Gebirgsbahn, Sächsische Semmeringbahn, Windbergbahn – ein eisenbahnhistorisches Denkmal an Freitals nordöstlichem Stadtrand

Zur infrastrukturellen Erschließung der Steinkohlengruben rings um die heutige Große Kreisstadt Freital plante man bereits in der erste Hälfte des 19. Jahrhunderts insbesondere seitens der Steinkohlenunternehmer den Bau von Kohlenbahnen. Die verschiedenen Vorhaben fanden mit der Trassierung der normalspurigen Albertsbahn-Hauptstrecke zwischen Dresden und Tharandt sowie mit den, teils steil auf die Hänge links und rechts der Weißeritz hinaufführenden normalspurigen Kohlenzweigbahnen erfolgreiche Umsetzung. Dabei erlangte insbesondere die Hänichner Kohlenzweigbahn große Bekanntheit. Die, nahe des heutigen Dresden-Gittersee von der Hauptstrecke abgehende Zweigbahn zwischen dem heutigen Haltepunkt  Freital - Ost und deren Endpunkt Possendorf gilt als ingenieurtechnische Meisterleistung und vor allem ihres Höhenprofils und ihrer engen Kurvenradien wegen, als erste deutsche Gebirgsbahn.

Bereits seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert förderte man Steinkohle im Döhlener Becken, welches sich zwischen Kreischa / Maxen und Kesselsdorf sowie zwischen Freital-Hainsberg und Dresden-Coschütz erstreckt. Mit der steten Zunahme der Fördermengen im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Abfuhr der geförderten Kohle über die Höhen des heutigen Freital-Pesterwitz und die des heutigen Dresden-Coschütz mit Pferdefuhrwerken immer problematischer. Die infrastrukturelle Erschließung der Gruben durch den Bau einer Staatsbahnlinie lehnte die sächsische Landesregierung ab, gestattete aber den Bau einer Privatbahn mit der Forderung nach Streckenführung von Dresden durch das Weißeritztal bis Tharandt. Daraufhin konstituierte sich am 4. Mai 1853 ein Komitee zur Gründung der Albertsbahn-Aktiengesellschaft. Dem ersten Spatenstich am 12. September 1853 folgte bereits am 28. Juni 1855, zur Freude aller auf Eisenbahnanschluss hoffenden Grubenbesitzer und der stetig wachsenden Anzahl sich im Weißeritztal etablierender Industrieunternehmen, die feierliche Streckeneröffnung der Albertsbahn-Hauptstrecke.

Die Projektierung dieser Eisenbahnlinie sowie der beiden zugehörigen Zweigbahnen lag seit 1853 in den Händen des erfahrenen Eisenbahningenieurs Guido Brescius, der vertraglich bei der Albertsbahn-Aktiengesellschaft auch für die Bauleitung und später als Maschinenmeister sowie Betriebsingenieur angestellt wurde. In einem ersten Entwurf sah Brescius für die Hänichner Kohlenzweigbahn auf der rechten Weißeritzseite mit ihren steil hinauf führenden Hängen, eine Pferdebahn vor. Die aus der Anzahl der Anschlussverträge zwischen den Steinkohlenwerken und der Albertsbahn zu erwartenden Abfuhrmengen bewegten ihn jedoch dann zu Entwürfen für eine lokomotivbetriebene Bahn. Die eisenbahntechnische Meisterleistung von Guido Brescius bestand in der genialen, sich den landschaftlichen Gegebenheiten unterordnenden Trassierung dieser Kohlenzweigbahn. Zwischen dem Weißeritztal und dem Plateau von Obergittersee überwand die Strecke auf nur 1,6 km Luftlinie einen Höhenunterschied von 120 m und kam dabei mit nur wenigen Kunstbauten aus. Durch Längendehnung auf 5,6 km ergab sich eine, auch noch für Lokomotiven mit Reibradradantrieb befahrbare Streckenneigung von 1:47. Mit diesen Streckenparametern war die Hänichener Kohlenzweigbahn die erste deutsche Strecke mit derartigen Neigungs- und Kurvenverhältnissen und gilt als erste Gebirgsbahn in Deutschland.

Im April 1856 begannen die Arbeiten zum Bau der Hänichener Kohlenzweigbahn, die Betriebsfreigabe nach Abnahme der Strecke erfolgte bereits am 21. Oktober 1856. Die ersten, für diese anspruchsvolle Strecke mit engen Kurvenradien von teilweise nur 85 Metern geeigneten und mit eigens entwickelten Drehgestellen versehenen, Lokomotiven lieferte die Chemnitzer Maschinenfabrik von Richard Hartmann. Von Dresdner Alberts-Bahnhof startete am 1. April 1857 der erste Zug auf den, mit dem Status einer Hauptbahnstrecke belegten Gleisen nach Hänichen. Am 15. April 1857 befuhr der eisenbahnbegeisterte, sächsische König Johann diese Kohlenzweigbahn-Strecke und schwärmte dabei, mit Verweis auf die 1854 in Österreich eröffnete, erste europäische Regelspur – Gebirgsbahn, von der "Sächsischen Semmeringbahn". Die Schilderungen des Kohlenbahn - Betriebspersonals von den wunderschönen Ausblicken entlang der Strecke schürten das Interesse der eisenbahnbegeisterten und naturliebenden Dresdner. Das Bahndirektorium ermöglichte daraufhin, nicht zuletzt im eigenen wirtschaftlichen Interesse, an den kohleverkehrsfreien Sonn- und Feiertagen auf der Güterbahn für Kohlen auch Personenverkehr. Ab Mai 1857 nahmen begeisterte Ausflügler in gesäuberten Kohlewagen Platz, um die reizvolle Landschaft des Windberggebietes in gemächlicher Bergfahrt an sich vorbeigleiten zu lassen. Diese „Gebirgslustfahrten“ wurden jedoch, das zunehmende Gefährdungspotential für die Ausflügler erkennend, 1872 nach bahnpolizeilichem Verbot beendet.

Obwohl der Konzessionsvertrag der privaten Albertbahn von 1853 bis 1873 galt, verkauften die Albertsbahn-Aktionäre diese, enttäuscht vom geringen wirtschaftlichen Erfolg ihres Unternehmens, bereits 1868 an die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen. Der sächsische Staat führte fortan die Albertsbahn mit ihren Zweigbahnen in eigene Regie, brachte zahlreiche Veränderungen im Betriebsablauf auf den Weg und stufte dabei die Hänichner Kohlenzweigbahn, dem zurückgehenden Kohletransportaufkommen folgend, 1879 zu einer Sekundärbahn herunter.

Zunehmende Industrialisierung, verbunden mit ansteigendem Güterverkehrsaufkommen und anwachsendem Arbeiterverkehr führte für die Hänichner Kohlenzweigbahn ab 1907 unter Einführung des Personenverkehrs und mit Streckenverlängerung bis Possendorf, zu einem erneuten Aufblühen dieser Strecke. Unter der Bezeichnung „Windbergbahn“ transportierten die Zugeinheiten fortan Arbeiter und Stückgüter sowie insbesondere an den Wochenenden Ausflügler. Dem Rückgang der Auslastung durch Stückguttransporte sowie dem Ansteigen der Straßenverkehrs-Transportkapazitäten folgend, begannen ab 1951 partielle Streckeneinstellungen sowie der Rückbau der legendären Windbergbahn. Im Bereich Freital-Ost bis Dresden-Gittersee erlangte diese Eisenbahnstrecke für den bergbaugebundenen Güterverkehr bis 1989 nochmals immense Wichtigkeit. Mit dem Gewinnungsende des letzten Bergbautreibenden auf der Lagerstätte „Döhlener Becken“ folgte, nicht zuletzt auch den wirtschaftlichen Umbrüchen der deutsch-deutschen Wiedervereinigung geschuldet, 1993 auch die vollständige Strecken-Einstellung. Der Windbergbahn e.V. widmet sich heute mit viel Enthusiasmus dem Erhalt der, seit 1980 unter Denkmalschutz stehenden und sowohl ingenieurtechnisch als auch landschaftlich einzigartigen Strecke.

Erster eigenständiger Kirchenbau im Dresdner Raum

Nach nur einem Jahr Bauzeit wurde die heute 1.600 Sitzplätze fassende Christuskirche am 1. Advent 1869 nach einem Entwurf des Wiener Architekten August Pieper eingeweiht. Sie gilt als erster eigenständiger Kirchenbau im Dresdner Raum. Das Hauptportal mit einer offenen, überwölbten Vorhalle hat einen Nordgiebel, der durch ein großes Gruppenfenster gegliedert ist. Den südlichen Abschluss des hallenartigen Saalbaus bildet der Chor mit Gewölbe. Eine Besonderheit ist die offene, reich gegliederte, von der englischen Holzgotik beeinflusste Konstruktion der hölzernen Decke über dem Kirchenschiff. Sie wird von zehn schlanken Säulen und das Kirchenschiff überspannenden Querverbindern getragen. Die umlaufende hölzerne Empore mit der Orgel der Firma Jehmlich auf der Nordseite ruht auf zwölf Säulen. Der 61 Meter hohe Turm ist dem Chor an der östlichen Seite angegliedert und in den Kirchenraum einbezogen. Besonders betrachtenswert sind die Schlusssteine im Rippengewölbe der beiden Turmgeschosse, die Ostern und Karfreitag symbolisieren. Zudem sei auf das 1869 gestiftete Altargemälde „Christus in Gethsemane“ des Dresdner Malers Christian Friedrich Gonne hingewiesen. Unter den neuen Fenstern, welche die Kirche 1893 erhielt, ist das große Altarfenster des Dresdners Karl Bertling mit der Darstellung der Kreuzigung Jesu nach dem Johannisevangelium hervorzuheben. Es zeigt unter anderem das sächsische Staatswappen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligte sich an Maßnahmen zum Erhalt der Kirche, unter anderem an Turminstandsetzung und Innensanierung.

Deutschlands erste Gasballonfahrer und Sachsens erfolgreichste Chemiefabrikanten

Während seines Chemiestudiums beobachtete der gelernte Buchdrucker Johann Carl Gottfried Reichard 1804 als völlig mittelloser Student am Studienort Berlin den missglückten Ballonaufstieg des frühen Luftschiffers Bourget und 1805 den des ersten deutschen Ballonfahrers Friedrich Wilhelm Jungius, welche sein Interesse an Gasballons weckten. Inspiriert durch das französische Berufsballonfahrer-Paar Blanchardt wollte Reichard in Umsetzung seiner physikalischen und chemischen Kenntnisse mit einem Gasballon Mittel für den Bau einer eigenen Chemiefabrik akquirieren. Bei der Rückkehr in seine Vaterstadt Braunschweig begann Reichard, der wohl ein Physik-Lehramt übernommen hatte, 1805 mit den praktischen Vorarbeiten dazu, allein der Ausbruch des napoleonischen Kriegs und zunehmende finanzielle Probleme verhinderten die Umsetzung.

Zu jener Zeit trat Wilhelmine Schmidt in Reichard s. Leben, die später seine Ballonfahrer- und Fabrikantenlaufbahn wesentlich beförderte. Beider Hochzeit fand 1807 in Braunschweig statt, wenig später kam die erste Tochter zur Welt. Die Familie übersiedelte nach Berlin, wo Reichard als Privatlehrer und mit naturwissenschaftlichen Experimentalvorträgen den kargen Familienunterhalt verdiente. Die in jenen Jahren geknüpfte Beziehung und spätere Freundschaft Reichard s zum Gymnasialprofessor Jungius erwies sich als fruchtbringend. Das Entstehen von Reichard Ds erstem Gasballon, mit dem er am 27.5.1810 als zweiter Deutscher in Berlin aufstieg, verdankte er auch der materiellen Unterstützung von Jungius. Seine junge Ehegattin wagte sich als erste deutsche Frau am 16.4.1811 in die Lüfte und brachte es auf insgesamt 17 Luftfahrten. Die perfekt organisierten Aufstiege mit den beiden ersten Ballons erbrachten dem Ehepaar die Mittel zum Kauf erster Wohn- und Fabrikgrundstücke, später zur Realisierung der lang erstrebten Chemiefabrik. Mit dem dritten Reichard-Ballon, in dessen geräumiger Gondel Platz für bis zu drei Personen war, stieg Reichard ab 1834 allein aus repräsentativen Gründen als Abschluss seiner Ballonfahrer-Karriere auf.

Nach dem Umzug der Familie 1811 von Berlin nach Dresden sorgten Einladungen zu Ballonaufstiegen und zu naturwissenschaftlichen Experimentalvorträgen inmitten der schwierigen Kriegszeit für die Bekanntschaft mit einflussreichen Persönlichkeiten der Residenzstadt sowie für wirtschaftliches Fortkommen. Eine Anstellung im Plauenschen Grund bei Dresden in der Vitriolfabrik Potschappel diente 1812 erstem Ausschauhalten nach möglichen Fabrikstandorten, jedoch beendeten 1813 erneute kriegerische Ereignisse Reichard s dortige hoffnungsvolle Tätigkeit. Eine Bestellung zum Dolmetscher bei den napoleonischen Truppen half dem gut französisch Sprechenden über finanzielle Nöte hinweg. Nahe der zerstörten Arbeitsstätte im Plauenschen Grund siedelte sich die inzwischen fünfköpfige Familie ab 1814 auf einem Grundstück in einem kleinen, abgewohnten Haus an. Die landesherrliche Konzession für seine „Fabrik technisch- und pharmazeutisch-chemischer Produkte“ erhielt Reichard 1815. Der Fabrikbau begann, eingebettet in Sachsens erste Industrialisierungsphase, 1821 mit den Einnahmen von Aufstiegen mit dem zweiten Ballon und Mitteln der sächsischen Landesregierung. In der bald florierenden Fabrik gelang Reichard 1822 als wichtigem Schritt auf dem Weg zu einer unabhängigen sächsischen Industrie die Fabrikation konzentrierter Schwefelsäure nach modernster westeuropäischer Technologie, anfangs täglich etwa 20 Pfund, nur 20 Jahre später in zwei Platinkesseln und sechs Bleikammern täglich mindestens 20 Zentner. Außerdem gehörten rauchende Schwefelsäure, Vitriolöl, Salpetersäure, Salzsäure, Soda und allerlei chemische Bedarfsstoffe für Färbereien, Bleichen und Druckereien zur Fabrikationsbreite.

Ab 1828 beteiligte sich der Chemiker in führender Position am Aufbau zweier Steinkohlen-Aktienbauvereine, die auch der eigenen Rohstoffversorgung dienten und brachte so als einer der ersten sächsischen Unternehmer Bergbau und Chemie in wirtschaftliches Miteinander. Mit zunehmendem Lebensalter verstärkte er seine publizistische und wissenschaftliche Arbeit, wobei die aeronautischen Probleme der Ballonfahrten, naturwissenschaftliche Themen und seine Heimatregion die Inhalte bildeten. Im Dresdner Gewerbeverein, dem Sächsischen Industrieverein, der Ökonomischen Gesellschaft im Königreich Sachsen und zahlreichen wirtschaftlich bzw. technisch-wissenschaftlichen Vereinen war Reichard gern gesehener Vortragsgast sowie angesehenes Mitglied. Für vier Jahre führte seine Ehefrau, nach dessen unerwartet frühem Ableben 1844, erfolgreich die Chemiefabrik weiter. Als auch sie plötzlich verstarb - beide hatten über 20 Jahre inmitten der Fabrikationsgebäude gelebt - führten die Söhne erfolgreich das Unternehmen fort. Ab 1874 leitete der Enkel des Firmengründers, Otto Reichard, die „Aktiengesellschaft Chemische Fabrik Döhlen“. Als dieser beim Sturz in einen Schwefelsäure gefüllten Bleikessel 1891 tödlich verunglückte, kam es nach Zahlung einer Ablösesumme durch umliegende Gemeinden und Grundbesitzer 1894 zur umweltbedingten Betriebseinstellung.

Burgk – das erste Dorf der Welt mit Gasbeleuchtung

„…zwei hellglänzende Sterne, welche die ägyptische Finsterniß des Schieferhaufens in freundliche Tageshelle zur Nachtzeit verwandeln…“. Derart überschwänglich bedankten sich im Jahre 1847 die Untertanen des Freiherrn Carl Friedrich August Dathe von Burgk für die Installation zweier, innerhalb der Burgker Bergmannsiedlung stehender Gaslaternen. Die Entstehung der zugehörigen Gasanstalt des heutigen Freitaler Stadtteiles ist unmittelbar mit dem, seit Jahrhunderten gleichen Orts betriebenen Steinkohlenbergbau verbunden.

Der seit 1819 auf dem zugehörigen Rittergut ansässige Freiherr Dathe von Burgk gilt als herausragender sächsischer Industriepionier, dessen technische Innovationen im Bereich von Steinkohlenbergbau und Eisenhüttenwesen seinerzeit große Beachtung fanden. Im Rahmen von eisenhüttentechnischen Versuchen zur Steinkohlenkoks-Herstellung, führten Gedanken zur Nutzung der anfallenden Wärmeenergie zugehöriger Bienenkorböfen, zum Bau einer Leuchtgasanstalt. Die technische Umsetzung dieser weltersten Leuchtgasanlage eines Dorfes lag dabei in den Händen von Kunstmeister Kinne. Daraufhin beleuchteten, fast zeitgleich mit Dresdens ersten Gaskandelabern der Blochmannschen Leuchtgasanstalt, im April 1828 Gaslaternen die Betriebsanlagen des Burgker Wilhelminen-Schachtes sowie Rittergut und Dorfstraße. Burgk ging durch diese technische Eigenentwicklung als erstes Dorf der Welt in die Industriegeschichte ein.

Im Jahre 1847 leuchten 80 Gasflammen gegen die nächtliche Finsternis in Burgk an, nur fünf Jahre später bereits waren es bereits 134. Der Döhlener Maschinenbauer Petzholdt hoffte für sein nahegelegenes Unternehmen lange Zeit vergeblich auf Anschluss durch ein leistungsfähiges, seitens des Burgker Freiherrn geplantes Gaswerk. Als dessen Bau aus wirtschaftlicher Zurückhaltung nicht zustande kam, eröffnete Petzholdt 1864 eine Gasbereitungsanstalt für den Eigenbedarf, welche nach Erweiterung auch den stetig zunehmenden unternehmerischen und privaten Gasbedarf befriedigen konnte. Der übergemeindlichen öffentlichen wie privaten Gasversorgung des heutigen Freitaler Stadtraumes war damit ein erster Weg geebnet. Das Döhlener Gaswerk betrieb zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts die Thüringer Gasgesellschaft AG Leipzig. Den von ihr 1912 / 13 errichteten markanten Verwaltungssitz mit Verkaufsausstellung, nutzen heute die Freitaler Stadtwerke / FSW als Verwaltungs- und Betriebsgebäude. Zum Zeitpunkt der Vereinigung der drei größten Gemeinden des Weißeritztales zur Stadt im Jahre 1921, war die Kapazität des Gaswerkes nahezu erschöpft. Vom Heidenauer Gaswerk verlegte man eine Ferngasleitung nach Freital und vereinigte beide Gaswerke im neugegründeten, überregionalen Unternehmen Gasversorgung Ostsachsen AG / GASO. Das ausgediente Freitaler Gaswerk legte man still, nutzte jedoch dessen Gasbehälter als Speicherkapazität.

Der Zweite Weltkrieg beeinträchtigte auch die Gasversorgung für Freitals Bevölkerung und Industrie. Sperrzeiten und quantitative Abnahme-Einschränkungen machten sich insbesondere nach der kriegsbedingten Zerstörung des Heidenauer Gaswerkes bis weit in die Nachkriegszeit hinein, nötig. Erdgasanschluss aus der damaligen Sowjetunion brachte 1973 eine neue Hochdruckleitung in die Stadt am Fuße des Windberges. Diese energetische Versorgung war insbesondere für das Freitaler Edelstahlwerk und für die über 2.500 Wohnungen des, seit 1974 im Bau befindlichen Neubaugebietes Freital-Zauckerode von immenser Bedeutung. Den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüchen im Zusammenhang mit der deutsch-deutschen Wiedervereinigung folgte, noch unter Verantwortung der 1991 gegründeten Gasversorgung Sachsen Ost / GASO GmbH, unter Abschaffung der Stadtgas-Belieferung der flächendeckende Einsatz von kostengünstigerem Erdgas. Wie zahlreiche andere ostdeutsche Kommunen plante auch Freital die Strom- und Gasversorgung wieder in eigener Regie zu bewirtschaften und gründete 1994 mit der Freitaler Stromversorgung GmbH ein eigenes Stadtwerk. Ab 1996 um die gastechnischen Betriebsanlagen erweitert, nannte sich diese kommunale Gesellschaft dann Freitaler Strom- und Gasversorgung / FSG GmbH, welche seit 2020 unter der Bezeichnung Freitaler Stadtwerke / FSW GmbH firmiert.  

Die erste elektrische Grubenlokomotive der Welt

Mit dem stetig wachsenden Bedarf an Steinkohlen kam es bei den Königlichen Steinkohlenwerken Zauckerode zur Ausdehnung der Grubenfelder sowie zur Erweiterung der personellen und technischen Ausstattung des Grubenbetriebes. Das zunehmende Kohlenausbringen beförderte wiederum die Modernisierung  der Gewinnungs- und Fördertechnologien unter- und über Tage. Die Schachtförderung der Bergwerke im heutigen Freitaler Stadtraum wurde, beginnend im frühen 19. Jahrhundert zunehmend mit Dampfkraft bewerkstelligt Die Grubenförderung beruhte dagegen noch Jahrzehnte später ausschließlich auf der Muskelkraft von Mensch und Tier. Bei der Suche nach einem kostengünstigen, robusten Fördermittel für die ungünstigen klimatischen und räumlichen Grubenbedingungen, entschloss sich die Direktion dieses fiskalischen Bergbauunternehmens 1882 für die, sich seinerzeit entwickelnde Elektroenergie-Anwendung.

Der Einführung der elektrischen Traktion im Untertagebereich war 1879 bei einer Berliner Gewerbeausstellung die Präsentation einer ersten serienreifen Elektrolokomotive der Firma Siemens & Halske voraus gegangen. Zur Unterhaltung der Gäste im Ausstellungsgelände verkehrend, war diese Lok ursprünglich als Triebfahrzeug eines elektrischen Straßenbahnprojektes vorgesehen, zu dessen Ausführung es jedoch nicht kam. Nach Verhandlungen mit Siemens & Halske fanden sich die Königlichen Steinkohlenwerke Zauckerode bereit, sich mit der neuartigen Traktionsart auseinander zu setzten.

Dem vielversprechenden Versuchsbetrieb im Oppelschacht auf einem 620 Meter, später auf 750 Meter verlängertem untertägigem Streckenabschnitt, folgte rasch der Regelbetrieb der weltersten elektrischen Grubenlok. Nicht allein der Streckenbetrieb mit elektrischer Traktion war technisches Neuland für den Bergwerksbetrieb, dies traf auch für die übertägigen stromerzeugende Anlagen sowie für den oberleitungstauglichen Streckenausbau untertage zu. Wirtschaftliche Erwägungen zur elektrischen Grubenförderung ließen u.a. noch einige Zeit lang parallel die althergebrachte Pferdeförderung weiterlaufen, um Vor-oder Nachteile von „Elektromotor und Hafermotor“ vergleichen zu können. Die 2,5 Meter lange und 6#PS starke Grubenlok, welche bis zu 15#volle Förderwagen aus dem Abbaufeld zum Schacht transportieren konnte, zeigte alsbald ihre Vorteile gegenüber der Pferdeförderung und führte damit Außerdienststellung der Grubenpferde auf dem Oppelschacht.

Die unternehmerisch mutige Direktionsentscheidung für die elektrischen Traktion führte 1882 nicht nur bei den Königlichen Steinkohlenwerken Zauckerode zu einer neuartigen technischen Problemlösung, sondern diese Innovation trat von der heutigen Freitaler Region aus ihren Siegeszug in die Bergwerke rund um die Erde an. Weitere Anwendungen der neuen Energiequelle folgten innerhalb des Königlichen Steinkohlenwerkes Zauckerode rasch mit elektrischen Diamant-Bohrmaschinen 1888 oder mit einer elektrischen Schachtfördermaschine 1909, welche als die erste derartige Maschine Sachsens gilt. Die welterste elektrische Grubenlokomotive, getauft auf den Namen DOROTHEA - die Gottgeschenkte -, versah für 45 Jahre ununterbrochen bis zum Abwerfen des Oppelschachtes 1927 ihren Dienst. Danach vom Hersteller-Unternehmen Siemens  & Halske traditionspflegend aufbewahrt, gehört diese Lok als Leihgabe des Siemensforums München in die Region ihres ursprünglichen Einsatzortes zurückgekehrt, heute zu den wertvollen bergbaulichen Exponaten der Städtischen Sammlungen Freital.

In den Wolken und unter Tage – Spuren Otto Lilienthals im heutigen Freital

Otto Lilienthal (1848-1896) war der älteste Sprössling einer kinderreichen Familie, doch außer seinem Bruder Gustav (1849-1933) und seiner 8 Jahre jüngeren Schwester starben alle weiteren Kinder bereits in den ersten Lebensjahren. Sein Vater war ein Kaufmann, der sich sehr für Mathematik und Technik interessierte. Als die Geschäfte schlecht liefen, beschloss die Familie, nach Amerika auszuwandern. Der plötzliche Tod des Vaters machte diesen Plänen ein jähes Ende. Damals war Otto zwölf Jahre alt und besuchte das Gymnasium in seiner Heimatstadt Anklam in Mecklenburg-Vorpommern. Unter großen Anstrengungen schaffte es die Mutter, den beiden Brüdern eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Bereits während ihrer Gymnasialzeit beobachteten die Beiden den Flug großer Vögel, insbesondere der Störche in ihrer pommerschen Heimat. Dabei stellten sie fest, dass die Vögel sich beim Losfliegen immer gegen den Wind stellten, und folgerten daraus, dass beim Anströmen der Luft auf der Oberseite des Flügels ein Sog entsteht, der für den nötigen Auftrieb sorgt. Auf Grund dieser Beobachtungen und Erkenntnisse bauten die beiden Brüder bereits 1862 ihren ersten Flugapparat.

Mit 16 Jahren machte Otto seinen Schulabschluss mit sehr guten Noten, besuchte anschließend zwei Jahre lang die Potsdamer Provinzialgewerbeschule und fing danach ein Praktikum in einer Berliner Maschinenfabrik an. Im Oktober 1867 begann er sein Studium an der Gewerbeakademie Berlin, der späteren TU Charlottenburg. Ein Stipendium, das er wohl auch wegen seiner flugtechnischen Aktivitäten erhalten hatte, verbesserte seine Lebenssituation beträchtlich. Nach dem Ende seiner Ausbildung im Jahre 1870 wollte ihn der Leiter der Akademie zu seinem Assistenten machen, doch Lilienthal verzichtete und zog stattdessen als "Einjährig-Freiwilliger" in den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71.

Im Jahre 1872 trat Otto Lilienthal als Konstruktions-Ingenieur in die bedeutende Berliner Maschinenbaufirma Carl Hoppe ein, bemühte sich jedoch gleichzeitig zusammen mit seinem Bruder Gustav, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Anfangs waren die beiden Ingenieure wirtschaftlich wenig erfolgreich, u.a. schlug eine Patentanmeldung fehl und die geniale Idee für einen 1879 entwickelten Kinder-Baukasten, der heute noch erfolgreich gehandelte ANKER-Steinbaukasten, gegen Zahlung einer geringen Ablösesumme von einem anderen Unternehmer vermarktet wurde. Zugleich entwickelten und testeten die Lilienthal-Brüder in jenen Jahren in Hoppes Auftrag Schrämmaschinen. Diese Gewinnungsmaschinen galten als vielversprechende Innovation für den seinerzeit noch Muskelkraft orientierten Steinkohlenabbau. Zwischen 1876 und 1878 testeten Otto Lilienthal und sein Bruder u.a. auch bei den Königlichen Steinkohlenwerken Zauckerode verschiedene handbetriebene Schrämmaschinen. Eine parallel entworfene und erfolgreich zum Patent angemeldete Eigenkonstruktion gilt als wesentlicher Baustein des nachfolgenden wirtschaftlichen Erfolges und als Grundlage Ottos späterer Flugversuche. Diese auf den Namen von Gustav Lilienthal patentierte Schrämmaschine wurde vom Zauckerodaer Steinkohlenwerks-Direktor Förster nach Berlin zurückgesandt. Das zuständige sächsische Finanzministerium genehmigte 1878 die Anschaffung einer Lilienthalschen Schrämmaschine, welche für 750 Mark geliefert wurde. Bei der späteren großtechnischen Anwendung derartiger Gewinnungsmaschinen setzten sich allerdings andere Kraftquellen als der von den Gebrüdern Lilienthal vorgeschlagene Handantrieb durch. Während jener Aufenthalte lernte Otto auch die Tochter des ihm zur untertägigen Arbeit im Oppelschacht zur Seite gestellten Steigers Karl Fischer kennen und lieben. Agnes Fischer und Otto Lilienthal wurden 1878 in der heutigen Lutherkirche Freital-Döhlen getraut. 

In diese Zeit fällt auch Otto Lilienthals erster öffentlicher Vortrag über die Theorie des Vogelflugs sowie der Eintritt der beiden Brüder in die Aeronautical Society of Great Britain.

Im Jahre 1881 wurde die Maschinen- und Dampfkesselfabrik Otto Lilienthal gegründet, die unter diesem Namen bis zum Ersten Weltkrieg existierte. Einige der insgesamt 25 angemeldeten Patente der Gebrüder Lilienthal brachten schließlich den hart erkämpften unternehmerischen Erfolg. Die Fabrik beschäftigte bald an die 60 Mitarbeiter und stellte u.a. sogenannte gefahrlose Dampfmaschinen und kleinere Motoren her. Das Unternehmen wurde ökonomisch zeitgemäß und mit hohem sozialem Anspruch geführt. So legte Otto Lilienthal u.a. Wert auf eine 25prozentige Gewinnbeteiligung der Arbeiter am Reingewinn oder auf Besuch in seinem eigenen Theater zu geringen Eintrittspreisen.

Nun hatte Lilienthal das Geld, um sich seinen Traum vom Fliegen zu erfüllen. Zunächst leistete er zusammen mit seinem Bruder die theoretischen Vorarbeiten, die er 1889 in seinem Buch "Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst" veröffentlichte. Auch wenn die Zeitgenossen dieses Werk nicht sonderlich beachteten, gilt es auch heute noch als die wichtigste flugtechnische Arbeit des 19. Jahrhunderts. Die Brüder Lilienthal hatten erkannt, dass die Form der Flügel von entscheidender Bedeutung ist für das Fliegen mit Apparaten, die schwerer als Luft sind. Hierbei kamen sie durch klug angelegte Versuche zu dem wichtigen Ergebnis, dass gewölbte Tragflächen einen größeren Auftrieb als ebene liefern. Die Gebrüder Wright bezeichneten später die Lilienthalschen Tabellen als das Beste, was zu jener Zeit verfügbar war.

Nach der Veröffentlichung des Buches betrachtete Otto Lilienthal die Phase der Vorarbeiten als abgeschlossen. Er besaß nun ausreichend theoretische Kenntnisse, um praktische Flugversuche zu wagen. Da sich sein Bruder hieran nicht beteiligte, wird der erste Menschenflug heute ausschließlich Otto Lilienthal zugeschrieben. Die ersten sicheren Gleitflüge gelangen ihm im Jahre 1891 nach der Methode " vom Sprung zum Flug". Die Flügel bestanden aus Weideholzrahmen, die mit gewachstem Baumwollstoff bespannt wurden und eine Spannweite von etwa 6,6 m sowie eine Tragfläche von ca. 14 Quadratmetern hatten. Die ersten Flüge, die ihn nur sechs bis sieben Meter weit trugen, führte er in seinem Garten aus. Doch schon bald suchte er geeignete Flugplätze in der Nähe von Berlin, die schon bald Flüge mit größeren Weiten ermöglichten. Wichtig für die Auswahl dieser Plätze war, dass er bei jeder Windrichtung starten konnte. Sein Hauptübungsplatz ab 1893 lag bei Stölln; dort gelangen ihm Flugweiten bis zu 250 m. Auf diesem Gelände führte er 1896 auch seinen letzten Flug durch. Er konnte eine plötzlich aufkommende Windbö nicht mehr aussteuern und stürzte aus 15 m Höhe ab. Obwohl er noch in eine Berliner Klinik gebracht werden konnte, starb er am darauffolgenden Tage an den beim Aufprall erlittenen Verletzungen. Otto Lilienthal hat mindestens 21 Flugapparate gebaut, darunter auch solche mit beweglichen Flügeln, sog. Flügelschlag-Apparate. Eines seiner seiner Gleitflugzeuge, der sog. Normalsegel-Apparat ging 1894 in der Lilienthalschen Maschinenfabrik in Serienproduktion.

Nach dem Tode Otto Lilienthals, der heute als erster erfolgreicher Flieger der Menschheit gilt, arbeiteten viele Flugpioniere an seiner Methode weiter und ebneten dem modernen Flugwesen, welches 1903 mit dem ersten erfolgreichen Motorflug der Gebrüder Wright seinen Anfang nahm, die Bahn. Er selbst stellte in einem Vortrag im November 1894 seine Leistung recht bescheiden dar. Er sagte damals: "Zum Schluss möchte ich Sie noch bitten, das von mir Erreichte nicht für mehr zu halten, als es an und für sich ist. Auf den Photographien, wo Sie mich hoch in der Luft dahinfliegen sehen, macht es den Eindruck, als wäre das Problem schon gelöst. Das ist durchaus nicht der Fall. Ich muss bekennen, dass es noch sehr vieler Arbeit bedarf, um dieses einfache Segeln in den dauerhaften Flug des Menschen zu verwandeln. Das bisher Erreichte ist für den Flug des Menschen nichts anderes, als die ersten unsicheren Kinderschritte für den Gang des Mannes bedeuten."

Heute trägt das, im Freitaler Stadtteil Burgk befindliche Berufliche Schulzentrum Freital-Dippoldiswalde, einem seiner technikwissenschaftlichen Ausbildungsgänge mit Spezialisierung auf Luftfahrttechnik folgend, den Namen Otto Lilienthals.

Kleinstes Gotteshaus in Freital

Die Friedenskapelle Kleinnaundorf gilt als jüngste und auch das kleinste Gotteshaus in Freital. Sie gehört zu den ersten Kirch-Neubauten der Nachkriegszeit. Mit großem Engagement und vielen Opfern haben besonders die Kleinnaundorfer Gemeindeglieder diesen Bau vorangetrieben. Am 3. Advent 1950 wurde die Kapelle geweiht.

Bereits 1898 stiftete König Albert, der vorletzte sächsische König, 3 Glocken, die im Glockenturm auf dem heute noch so genannten Glockenplatz aufgehängt wurden. Nach dem 1. Weltkrieg blieb nur eine Glocke übrig, die regelmäßig früh, mittags und abends mit Hand geläutet wurde. 1998 errichtete die Kirchgemeinde nach Entwürfen von Peter Schewe einen neuen Glockenstuhl unmittelbar neben der Friedenskapelle. Seitdem läutet die Glocke von dort aus über das Tal.

In der Kapelle ist besonders das Holzkreuz über dem Altar beachtenswert, das Szenen aus dem Leben Jesu darstellt. Geschaffen wurde es von der früh verstorbenen Graupaer Künstlerin Brigitta Großmann-Lauterbach. Die geflochtene Holzdecke gibt dem Kirchraum eine besondere Atmosphäre. Etwas höher gelegen ist ein kleiner Gemeinderaum, der durch Schiebefenster aus Glas mit dem Kirchraum verbunden werden kann, so dass insgesamt etwa 90 Personen Platz finden.

Die aus dem ehemaligen Marienschacht übernommene Balkenleuchte im Gemeinderaum erinnert an das kontinuierliche Gemeindeleben, das seit der Errichtung eines Landdiakonats im Jahre 1877 in Kleinnaundorf besteht.

Auf Initiative der vier Kantoren sammelte die Gemeinde im Jahr 2009 für eine Orgel. Sie bekam Unterstützung von der Stadt Freital, der Landeskirche und vielen Spendern. Bereits zum Kirchweihfest am 3. Advent 2009 konnte die Orgel eingeweiht werden. Das von einer Oldenburger Gemeinde gebraucht erworbene Instrument fügt sich nach der Aufarbeitung durch die Firma Peiter aus Lengefeld/Erzgeb. sowohl klanglich als auch in der Gestaltung gut in den Raum ein.

Ernst Friedrich Wilhelm Lindig – Erfinder der nassen Kohlenaufbereitung

Am Anfang der allermeisten Wertschöpfungsketten stehen Rohstoffe, deren Verwendung wiederum unmittelbar mit ihrer stofflichen Zusammensetzung und qualitativen Beschaffenheit zusammenhängt. Für die industrielle Nutzbarkeit und effektive Weiterverwendung der Rohstoffe ist deshalb deren Aufbereitung unumgänglich. Bei der Aufbereitung des fossilen Rohstoffes Steinkohle werden, auf Grundlage der Materialdichte verschiedener Kohlequalitäten, tauben Gesteins oder Bergematerials, auf nassem Wege die unerwünschten, mitgeförderten Bestandteile abgetrennt, anwendungsorientierte Klassifikationen wie Schmiede- oder Kalkkohle vorgenommen sowie diese nach äußerer Erscheinungsform wie Nuß- oder Filterkohle sortiert.

Als Erfinder der Steinkohlen-Nasswäsche gilt der bei den Königlichen Steinkohlenwerken Zauckerode als Faktor tätige Ernst Friedrich Wilhelm Lindig. Als kaufmännischer Grubenbeamter u.a. auch mit dem Kohlenverkauf des Werkes befasst, suchte Lindig nach einem Aufbereitungsverfahren für die schlecht verkäufliche Sorte der Kalkkohlen. Nahe der werkseigenen Schachtanlagen, am Bachlauf der Wiederitz, stellte Lindig ab 1810 Versuche zur nassen Kohlenaufbereitung an und berichtete darüber an den, ihm vorgesetzten Bergrat Carl Wilhelm von Oppel: „…ich glaube jetzt so glücklich zu sein, dieses Mittel in der bekannten, einfachen Aufbereitungsarbeit, im Siebsetzen gefunden zu haben, da bei dieser Arbeit sich alles nach der spezifischen Schwere absondert, so bleibt die Schmiedekohle, als die leichteste oben, und die eigentliche Kalkkohle sondert sich in der Mitte ab, die Berge hingegen setzen sich theils zu Boden theils gehen sie als Schlämme durch das Sieb.“

Bereits 1811 bereitete man mit der neuen Technologie bei den Königlichen Steinkohlenwerken Zauckerode nach dem seinerzeit gebräuchlichen, bergmännischen Hohlmaß über 18.000 Scheffel / ca. 1.000 Tonnen Kalkkohle zu ca. 800 Tonnen unterschiedlicher, wirtschaftlich nutzbarer Kohlequalitäten auf und trennte davon ca. 200 Tonnen unbrauchbares Bergematerial zur Haldenschüttung ab. Die technische Innovation Lindigs verbreitete sich von Zauckerode ausgehend, innerhalb weniger Jahre über alle Steinkohlen-Bergbaureviere. Die baulichen Anlagen der Kohlenwäschen entwickelten sich in Folge rasch zu den größten und technisch aufwendigsten Tagesanlagen der jeweiligen Bergwerksunternehmen.

Sächsische Saurierplatte mit sechs Skeletten aus der Perm-Zeit - einziges Stück dieser Qualität zu den Pelycosauriern

Der interessanten Geologie der Steinkohlenlagerstätte unter Freitals Fluren widmet sich der Ausstellungsteil „Faszination Steinkohle“ der Städtischen Sammlungen Freital auf Schloss Burgk. Als das Freitaler Museum 1924 erstmals seine Pforten öffnete, zeigte es bereits eine Saurierplatte mit dem Abguss mehrerer Reptilien, die nach wechselvoller Geschichte und mehreren Umzügen zusammen mit den Sammlungen des Museums 1946 ihr endgültiges Domizil auf Schloss Burgk fand. Heute in einer separaten Ausstellung präsentiert, begeistern die Wolfssaurier nicht nur als fossile Versteinerung die Besucher. Ein beeindruckendes Panoramabild zeigt die Lebenswelt der Saurier und erklärt damit zugleich anschaulich die, in der Ausstellung auch mit markanten Gesteinsfunden belegten, Prozesse, die im Perm zur Bildung der Steinkohlenvorkommen des Döhlener Beckens führten. Besonders jüngere Gäste begeistern die Exponate, die die Verwandlung der Jahrmillionen alten Pflanzenreste über den Torf, die Braunkohle, die Steinkohle bis hin zum Anthrazit belegen können, wobei auch die Geschichten von Willi Wolfssaurier im Rahmen altersgerechter Führungen Inkohlung und Fossilbildung anschaulich vermitteln. Bei anschließender Besichtigung des Besucherbergwerkes kann das erworbene geologische Wissen dort am Flöz-Aufschluss unter Tage verfestigt werden.

Wissenschaftliche Untersuchungen

Aus der ca. 1,2 Meter langen, weltweit einzigartigen Fossilplatte des Pantelosaurus (Haptodus) saxonicus (sächsischer Pelycosaurier der Perm-Zeit) wurden am 6. Mai  2014 mit einem Spezialbohrer zwei fossile Knochenproben gewonnen, um diese näher zu untersuchen. Die Wissenschaftler hofften, anhand der Knochendünnschliffe von den Proben im Mikroskop Zellmuster zu erkennen, um unter anderem Aussagen zum Wachstum der Tiere treffen zu können. Die sächsischen Pelycosaurier-Funde stammen aus dem Döhlener Becken in der Nähe von Freital und wurden Anfang des 20. Jahrhunderts beim Bergbau als Beifund entdeckt. Frederik Spindler, Paläontologe an der TU Bergakademie Freiberg, Dr. Johannes Richter, Referatsleiter für Geoarchive, Geoinformation, Sammlungen im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, und Christen Shelton von der Universität Bonn entnahmen die Proben in Freiberg. Die Untersuchungen liefen im Rahmen eines dreijährigen DFG-Forschungsprojektes zum Thema „Revision der frühen Sphenacodontier“. Das Gemeinschaftsprojekt lief seit Mai 2012 unter der Leitung von Prof. Jörg W. Schneider (TU Bergakademie Freiberg) und Prof. Martin Sander vom Steinmann-Institut Bonn. Bereits im Sommer 2013 hatten die Forscher ähnliche Untersuchungen an mutmaßlichen Jungtieren dieser Saurier vorgenommen.

Das Grubenunglück am Windberg

Am 2. August 1869 verloren 276 Bergleute der Freiherrlich von Burgkschen Steinkohlenwerke in den miteinander verbundenen Grubenfeldern des Segen-Gottes-Schachtes und des Neuhoffnungs-Schachtes durch eine Schlagwetter-Explosion ihr Leben. An jenem Morgen versammelten sich wie gewöhnlich die Bergleute im Burgker Huthaus zu Anwesenheitskontrolle und Gebet, um danach in die Schächte der Umgebung einzufahren. Die Tagesanlagen der beiden Unglücksschächte befanden sich auf den Höhenzügen nahe des 352 Meter hohen Windberges. Die Explosion ereignete sich kurz nach Schichtbeginn gegen 5 Uhr. Ein großer Teil der Belegschaft verstarb im unmittelbaren Moment der Entzündung der Methangase infolge der Hitzeeinwirkung bzw. der, durch die Druckwelle erzeugten Zerstörungen. Der weiter vom Explosionsherd entfernte Teil der Mannschaft erstickte, körperlich unversehrt, qualvoll im Verlaufe der nächsten Stunden. Es konnten lediglich drei Förderleute über eine Tagesstrecke fliehen sowie zwei Zimmerlinge über den Schacht gerettet werden. Die Rettung weiterer Überlebender scheiterte an unatembaren Wettern, welche Rettungseinsätze im gesamten Grubenfeld unmöglich machten.

Vier Tage nach der Katastrophe waren 120 Tote geborgen und die Opferzahl annähernd korrekt mit 273 festgestellt worden. Nachdem die zuerst ausgeförderten Opfer auf ihren Heimatfriedhöfen beigesetzt worden waren, entschied man sich aus seuchenhygienischen Gründen sowie wegen der hohen Anzahl zu bestattender Leichen, zur Anlage eines Massengrabes nahe des Segen-Gottes-Schachtes. Die Verunglückten stammten größtenteils aus den Dörfern des heutigen Freitaler Stadtgebietes, ein Großteil aus Deuben und Burgk, sowie jeweils zahlreiche Personen aus Niederhäslich, Potschappel, Kleinnaundorf, Pesterwitz und Döhlen. Aufgrund des Grubenunglücks und der sich daraus ergebenden vorübergehenden Einstellung der Förderung verringerte sich das jährliche Ausbringen der Burgker Steinkohlenwerke für 1869 um etwa 34.000 Tonnen. Wenige Wochen später nahm man zuerst den Neuhoffnungs-Schacht, kurz darauf den Segen-Gottes-Schacht wieder in Betrieb.

Am 17. September 1869, sechs Wochen nach der Katastrophe, fanden am Ort der Leichenbestattung die offiziellen Begräbnisfeierlichkeiten für die Verunglückten statt. Ein Unterstützungskomitee koordinierte die gerechte Vergabe der aus ganz Europa und Übersee umfänglich eingegangenen Spendenmittel und half damit die erste materielle Not der Hinterbliebenen zu lindern sowie durch Rentenzahlungen Witwen und Waisen langfristig abzusichern.

Am 2. August 1870, dem ersten Jahrestag der Schlagwetter-Explosion, weihte man über dem Massengrab ein Gedächtnismonument ein. Das Denkmal befindet sich im heutigen Freital-Kleinnaundorf in der Siedlung „Am Segen“. Zentral in der parkähnlichen Anlage befindet sich ein Sandsteinobelisk mit dem Widmungsspruch: „Dem Andenken der Beamten und Arbeiter gewidmet, welche treu ihrem Berufe in der Tiefe der Erde am 2. August 1869 verunglückten.“ Im Halbrund hinter der Stele sind Tafeln angeordnet, welche Namen und Alter der Verunglückten übermitteln.

Der 1837 geteufte Neuhoffnungs-Schacht stellte seine Förderung 1911 ein, der 1856 geteufte Segen-Gottes-Schacht im Jahre 1916. Die, in den 1990ziger Jahren durch die Stadt Freital sanierte Denkmal-Anlage steht, gemeinsam mit den noch erhaltenen Segen-Gottes- und Neuhoffnungs-Schächter Tagegebäuden als regional- und bergbaugeschichtlich bedeutende Sachgesamtheit unter Denkmalschutz. Das heutige Besucherbergwerk „Tagesstrecke Oberes Revier Burgk“ erinnert über 150 Jahre nach der Katastrophe am authentischen Ort der Rettung dreier Förderleute, an Sachsens schwerstes Grubenunglück. 

Tiefster Schacht und längste Auffahrung

Insgesamt lassen sich in der Region 504 Schächte nachweisen, darunter 24 Schächte mit einer Teufe über 250 m. Tiefster Schacht ist der König-Georg-Schacht im Freitaler Ortsteil Weißig (am Eingang von Unterweißig) mit einer Teufe von 575 m. Technische Meisterleistungen und längste Auffahrungen sind der "Tiefe Weißeritz Stolln" mit 6,6 km Länge (einschließlich Flügelörter) und der "Tiefe Elbstolln" mit 6 km Länge (mit Flügelörter etwa 11 km). Letzterer führt in gerader Strecke vom Oppelschacht im Freitaler Ortsteil Zauckerode nahe unter der Pesterwitzer Kirche hindurch bis zur Elbe in Dresden-Cotta und dient bis heute der Entwässerung.

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